Toxic Tour

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung hat zusammen mit brasilianischen AkteurInnen eine „Toxic Tour“ zu Schauplätzen ökologischer und sozialer Zerstörung im Umkreis von Rio de Janeiro organisiert. Die Tour fand zum Auftakt der Gipfels der Völker statt und führte unter anderem in die Bucht von Spetiba, wo Thyssen-Krupp mit dem brasilianschen Bergbaukonzern Vale ein Stahlwerk betreibt.
Mehr Informationen: http://riotoxico.hotglue.me/santacruz

Video: WSF-TV – Andrea Plöger/Sabine Weber
http://www.wsftv.net

50.000 auf der Straße, oder: wenn im Wald ein Baum umfällt…?

Nach der Aktion in der Vila Autodroma fand gestern abend die zentrale Demonstration des Gipfels der Völker statt. Sehr, sehr grob geschätzt über 50.000 Menschen auf der Straße, einige Riesenpräsenz der globalen KleinbäuerInnenorganisation La Via Campesina, klasse Inhalte in den zentralen Reden, und eine trotz des Regens sehr gute Stimmung. (Die KollegInnen vom exzellenten Climate Connections-blog haben hier schon eine Fotostrecke ins Netz gestellt). Zusammen mit der – unter deutschen NGOs bisher fast nur von Germanwatch durchbrochenen – breiten Ablehnungsfront gegenüber dem wahrscheinlichen Gipfeltext ist die zivilgesellschaftliche Message ziemlich deutlich: was beim offiziellen Gipfel passiert, ist eine Farce. Strategien zur gerechten Bearbeitung der sozial-ökologischen Krise müssen andernorts gesucht und gefunden werden.

Aber da kommen wir auch schon zum Knackpunkt: die Irrelevanz des Gipfels spiegelt sich, zumindest tendenziell, in der Irrelevanz des Alternativgipfels. Weiterlesen

Weniger als Nichts

Der Vatikan musste als Sündenbock herhalten. Auf der einen Seite aus gutem Grunde, denn in altbewährter Tradition protestierte der Vatikan, der bei der Rioplus20-Konferenz nur Beobachterstatus genießt, und erreichte so, dass „sein“ Thema vor allzu viel Fortschritt bewahrt wird. Das Recht auf reproduktive Gesundheit taucht nur in abgeschwächter Form im Abschlussdokument der Konferenz auf. Für die regierungsnahe Zeitung „O Globo“ der Aufmacher am 20. Juni, dem ersten offiziellen Konferenztag von Rio plus 20.

Geschickt wurde damit davon abgelenkt, dass die brasilianische Verhandlungsführung nichts erreicht hat außer etwas, was laut dem federführenden Delegierten bei vergleichbaren Konferenzen noch nie gelungen ist: Das offizielle Abschlussdokument ist fertig und geschlossen und das bevor die Staats- und Regierungschefs anreisen. Kopenhagen soll sich nicht wiederholen. Und insofern soll es auch nicht mehr geöffnet werden. Substantiell wurde weniger als nichts erreicht. Darin sind sich ausnahmsweise einmal fast alle in Rio anwesenden NRO- und BewegungsvertreterInnen einig. Niemals passte die defätistische Umkehr der Konferenzbezeichnung besser als am ersten Tag des Gipfels: Rio minus 20.

Eine symbolische Aktion zeigt die Stärke und zugleich die Spaltung der sozialen Bewegungen Brasiliens auf

Foto: Stefan Thimmel

Foto: Stefan Thimmel

Die Staats- und Regierungschefs (ohne Frau Merkel und Herrn Obama) verhandeln oder besser verlautbaren im Rio Centro, einem weitläufigen, gerade neu modernisierten Kongresszentrum in einem Vorort der 6.3 Millionen Metropole „Die Zukunft, die wir wollen“ (The future we want). Hermetisch abgeriegelt sowohl sicherheitstechnisch als auch in Bezug auf die wirklichen Zukunftsfragen. Außer den wenigen bei der UN akkreditierten NROs bleiben die Menschen dabei außen vor wie selten. Weiterlesen

‚The future we don’t ​want‘

Der letzte Beitrag endete mit der sorgenvollen Frage, wie denn nun die ‚Zivilgesellschaft‘ (ein Begriff, der natürlich so unscharf ist, dass seine Benutzung immer den Griff nach der Lesebrille notwendig macht, aber davon ein andermal) auf den absolut unterirdischen Verhandlungstext – mit dem zynischen Titel ‚the future we want‘, die Zukunft, die wir wollen – reagieren würde.

Warum sorgenvoll? Nunja, ohne eine extrem heterogene Gruppe von Organisationen und Individuen allzusehr über einen Kamm scheren zu wollen, der 1992 begonnene Rio-Prozess stellte mit Sicherheit den Höhepunkt der hegemonialen Einbindung von zivilgesellschaftlichen Akteuren in die Mechanismen herrschaftlicher ‚Global Governance‘ dar. Weiterlesen

Die Green Economy als Totgeburt?

Tadzio Müller (RLS); Foto: Stefan Thimmel

Zugegebenermaßen, es gehört nicht allzu viel kritisches Denken dazu, diese ganze ‚Green Economy‘-Geschichte für großen Mist zu halten. Im Gegensatz zur großen Erzählung von der Nachhaltigkeit, die zwar kaum etwas nachhaltiger gemacht hat, aber sich doch nachhaltig in gesellschaftliche Erzählungen über die Umwelt eingegraben hat. Das Hamburger Abendblatt schreibt dazu:

Zunächst kursierte das sperrige Wort, das man 1992 für ein Schlüsselwort hielt, nur in Fachkreisen. Aber heute taucht Nachhaltigkeit überall auf und ist dadurch kräftig in Misskredit geraten. Kein Wunder, wenn ihn Ökopaxe und Hersteller von Tiefkühlpizza gleichermaßen für sich reklamieren. Weiterlesen

Rio+20: Weltrettung, oder viel Lärm um Nichts? Teil I: der offizielle Gipfel

So gestellt ist die Frage natürlich leicht zu beantworten: weder noch. In Rio wird dieser Tage weder die Welt gerettet werde, noch wäre es korrekt zu behaupten, hier ginge es um gar nichts, um bloßes ‚Greenwashing’ der globalen Wirtschaft, oder – auf der anderen, der Bewegungsseite, die sich beim ‚Gipfel der Völker’ trifft – um bloßes zivilgesellschaftliches Wichtigtun. Gleichzeitig gab es im Vorfeld heftige Debatten in der deutschen und internationalen NGO-Szene darüber, ob der ganze Gipfel einfach völlig boykottiert werden sollte, und im Sinne der CO2-Einsparung die teuren Flüge nach Rio doch lieber nicht gebucht werden sollten (siehe z.B. die Intervention von Weeds Peter Wahl hier). Denn: wenn der ‚offizielle’ Gipfel der Gipfel der Irrelevanz ist, und damit die schlechte Tradition der letzten 17 ‚Klimagipfel’ weiterführt, was soll denn dann der Gegengipfel ausrichten, angesichts der Tatsache, dass die sozialen Bewegungen derzeit kaum in der Lage sind, aus sich selbst heraus die Einhegung oder gar Umkehrung der eskalierenden Biokrise zu bewerkstelligen? Weiterlesen

Zurück auf Anfang: und los!

RosaLux 2/2012 zum Thema «Rio+20: Konferenz ohne Zukunft». Mit Beiträgen von Ulrich Brand, Kathrin Buhl, Kristina Dietz, Sandra Quintela, Marcus Wissen und anderen.

Die Aufmerksamkeit für ökologische Themen ist sehr wechselhaft. Kurze Phasen einer geradezu übersteigerten, aufgeregten Dominanz in den Medien wechseln sich ab mit einem mehr oder weniger starkem Desinteresse. Der Problematik des Themas wird dies in keiner Weise gerecht. Mal ist der Klimawandel ein beherrschendes politisches und mediales Thema, wie zum Beispiel nach der Veröffentlichung des Stern-Reports Ende 2006. Dann wieder dominiert, zumindest in Deutschland, das Thema Atomenergie die Agenda wie im vergangenen Jahr nach der Katastrophe von Fukushima. Weiterlesen

Erste Schritte des globalen Widerstands gegen eine „Green Economy“

Bild: JorgeBRAZIL / flickr

Von Christian Scholl.

Eine Clownsarmee hätte großen Spaß auf dem Gegengipfel in Rio de Janeiro: überall begegnet mensch Polizei und Militär. Der Gegengipfel der UNO Rio+20 Konferenz dürfte zu einer der bestbewachten Bewegungskonferenzen in der Geschichte zählen. Was es sonst noch gibt?  Eine unglaubliche Menge an Workshops ohne Programmheft, strahlende Sonne, TeilnehmerInnen aus den verschiedensten sozialen Bewegungen weltweit, und vor allem: Wut und Enttäuschung über die UNO-Konferenz, die eine „Green Economy“ proklamiert. Niemand auf dem Gegengipfel scheint sich damit zufrieden geben zu wollen. Seit wann kann eine kapitalistische Wirtschaft grün sein?

20 Jahre nach dem ersten UNO-Umwelt-Gipfel in Rio de Janeiro, der das Schlagwort der „nachhaltige Entwicklung“ prägte, ist die Kluft zwischen dem Forum der Vereinten Nationen und sozialen Bewegungen nur noch größer geworden. TeilnehmerInnen am Gegengipfel sprechen selbst spöttisch über die „Rio minus 20 Konferenz“, und weisen damit darauf hin, dass eigentlich kein Fortschritt, sonder eher Rückschritt erzielt wurde seit 1992. Während sich die Wirtschaft ein großes Stelldichein auf der Rio-Konferenz gibt, um große Versprechungen über die Rettung von Umwelt und Klima zu machen, treffen sich soziale Bewegungen aus Lateinamerika und dem Rest der Welt, um Alternativen zu der von der UNO lancierten „Green Economy“ zu formulieren. Weiterlesen